Bernard Cavanna

Das musikalische Universum von Bernard Cavanna (1951) gehört ihm ganz allein. Es ist ikonoklastisch, eklektisch, gibt sich gerne provokant. Cavanna pflegt einen Kontrast zwischen klassischer Komposition und Volksmusikeinflüssen, greift zu Tonalität und Dissonanzen und stellt dabei rohen Klängen subtile Harmonien, feinen Klangfarben Brutalität gegenüber. Seine Werke sind stark von einem inneren Drängen geprägt, das eine tiefgreifende technische Detailliebe erkennen lässt, gebunden an den intensiven Blick, den er auf das menschliche Dilemma und den Schein richtet, die seiner Inspiration zugrunde liegen.

Als autodidaktischer und unklassifizierbarer Künstler, der er war, versucht sich Cavanna auf Anraten von Henri Dutilleux und schließlich mit der Hilfe von Paul Méfano und Georges Aperghis in der Komposition; aber sein Haupteinfluss bleibt die Musik und das Denken des rumänischen Komponisten Aurèle Stroë, über den er im Jahre 2000 mit Laurence Pietrzak ein Filmporträt in Form einer Hommage umgesetzt hat. 

Einzigartig frei in Hinblick auf Dogmen zeugt sein Werk von einem ganz intuitiven Erfindergeist und einem ausgezeichneten Eklektizismus, der populäre Facette und romantisches Vermächtnis vereint. Zu seinem Repertoire, das alle Genres abdeckt, zählen insbesondere drei Konzerte, die für drei seiner Lieblingsinstrumente komponiert wurden: das Concerto pour violon (Das Konzert für die Violine 1998–99), Scordatura für Violine und orchestra, das Double concerto pour violon et violoncelle (Das Konzert für Violine und Violoncello 2007) und das Karl Koop Konzert (2008) für das Akkordeon, aufgeführt jeweils von Noëmi Schindler, Emmanuelle Bertrand und Pascal Contet.

Zu seinen symbolträchtigen Werken gehört auch die Komposition, aufgeführt im Jahre 2013 vom Ensemble Ars Nova, für drei Tenöre und ein Ensemble von 17 Instrumenten auf Grundlage von “À l’agité du bocal “von Louis-Ferdinand Céline. Bei Aeon ist eine monografische CD erschienen (Januar 2011), zusammen mit einer DVD des Dokumentarfilms, den ihm Delphine de Blic gewidmet hat, mit dem Titel La peau sur la table (ausgezeichnet mit dem Prix Sacem 2010 als bester musikalischer Dokumentarfilm). Bernard Cavanna erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Prix de la Tribune Internationale de l’Unesco im Jahre 1999, Victoire de la musique (2000), Grand Prix de la musique de la SACD (2007) und kürzlich mit dem Prix International Arthur Honegger (2013), Grand Prix SACEM (2014).